Sonntag, 20. September 2015

Der "Befreierkrieger" - Das Sowjetische Ehrenmal in Berlin-Treptow

Das sowjetische Ehrenmal in Berlin-Treptow stellt das Hauptmonument für die gefallenen sowjetischen Soldaten in Deutschland dar und ist gleichzeitig das größte Denkmal für die im 2. Weltkrieg – dem „Großen Vaterländischen Krieg“ – Gefallenen der Roten Armee außerhalb der ehemaligen Sowjetunion.

(Bild: Berlin-Information 1969)

Seine Bedeutung stellte der damalige sowjetische Stadtkommandant Generalmajor A.G. Kotikow, auf der Einweihungsfeier, folgendermaßen dar:
Das soeben im Zentrum Europas in Berlin eingeweihte Denkmal wird die Völker der Welt ständig daran erinnern, wann, durch wen und um welchen Preis der Sieg errungen, das sozialistische Vaterland sowie das Leben der jetzigen und der kommenden Generationen der Menschheit gerettet wurde. Dieses Denkmal im Zentrum Europas ist ein Zeuge der Größe und der unüberwindlichen Kraft der Sowjetmacht, ihrer großen Befreiungsmission. Es ist ein Symbol des Kampfes der Völker der Welt, mit der Sowjetunion an der Spitze, für die souveränen Rechte der Völker, für den Sozialismus und die Demokratie, gegen die Sklaverei und die Willkür und gegen die finsteren Kräfte der imperialistischen Reaktion und der Brandstifter eines neuen Krieges.
Mit diesen Worten wurde die damalige sowjetische Sichtweise auf den Punkt gebracht, nicht lediglich bezogen auf das Denkmal selbst, sondern allgemein auf das Selbstbild der Sowjetunion. Der beginnende sogenannte „Kalte Krieg“ schimmerte bereits bedrohlich am Horizont...
Wie kam es zur Errichtung des Ehrenmals? Von welchen Grundsätzen wurden die Erbauer geleitet? Welche Aussagen verbinden sich mit dem Ensemble? Was ist davon heute noch übrig und gültig? Wie sieht die Zukunft aus?


Die Vorgeschichte
Die Schlacht um Berlin war die letzte bedeutende Schlacht des Zweiten Weltkrieges in Europa. Sie dauerte vom 16. April bis zum 2. Mai 1945 und hatte die Besetzung Berlins, der Hauptstadt des Deutschen Reiches, durch die Rote Armee zur Folge, unter Beteiligung einiger polnischer Einheiten. Die Kämpfe forderten Schätzungen zufolge über 170.000 Gefallene und über 500.000 verwundete Soldaten sowie den Tod mehrerer zehntausend Zivilisten. Es existieren keine genauen Zahlen über die Verluste beider Seiten. 

Nach der Eroberung Berlins durch die Rote Armee im Mai 1945 hissen sowjetische Soldaten die Sowjetflagge am Balkon des Hotel Adlon in der Straße Unter den Linden.
(Bild:Bundesarchiv, Bild 183-R77767) 
 


Georgi Konstantinowitsch Schukow
Iwan Stepanowitsch Konjew

Geführt wurde der Angriff auf Berlin durch die Marschälle Schukow und Konjew. Truppen der 1. Belorussischen Front Schukows hatten den Kampf um Küstrin für sich entschieden und einen 44 Kilometer breiten und bis zu 20 Kilometer tiefen Brückenkopf auf dem westlichen Oderufer gebildet. Von hier aus sollte der Hauptstoß auf Berlin erfolgen. Man hatte auf deutscher Seite sämtliche noch verfügbaren Reserven zusammengezogen, um die Reichshauptstadt zu verteidigen. Die Flügel von Schukows Front sollten Berlin im Norden und Süden umfassen. Die 1. Ukrainische Front Konjews, die ab Guben nach Süden aufschloss, sollte dort die verteidigende deutsche 9. Armee nach dem Durchbruch im Rücken umfassen. Durch Stalin wurde eine Trennungslinie zwischen Schukows und Konjews Fronten angeordnet. Die Linie begann östlich der Oder, kreuzte den Fluß und verlief geradeaus weiter. An einem Punkt bei Lübben an der Spree, knapp 60 km südöstlich von Berlin, brach diese Trennungslinie plötzlich ab. Stalin erklärte: „Wer als erster bis dahin vordringt, der soll Berlin erobern.“ Am 3. April 1945 wurde der Angriffstermin für den 16. April 1945 beschlossen. 

Am 16. April beginnt der Angriff der an der Oder und Neiße stehenden 1. Belorussischen und 1. Ukrainischen Front zum Kampf um Berlin. Die sowjetischen Truppen erreichen am 21. April den äußeren Verteidigungsgürtel und schließen am 25. April die Stadt ein. Nach harten, verlustreichen Kämpfen kapitulieren die faschistischen Truppen der Berliner Garnison am Nachmittag des 2.Mai.
(Bild: Bundesarchiv, Bild 183-E0406-0022-012) 
 
Der Kampf in Berlin wurde erbittert geführt auf beiden Seiten. Die Kämpfe zogen sich von Straßenzug zu Straßenzug, Haus zu Haus und Stockwerk zu Stockwerk. Nach vorhergehenden Waffenstillstandsverhandlungen von verschiedener Seite war der Befehlshaber, der in der Lage dazu war, die Kampfhandlungen auf deutscher Seite einzustellen General Weidling. Seinen Worten zu Folge hatte er den Befehl dazu bereits am 2. Mai um 6 Uhr morgens den ihm direkt unterstellten Truppen erteilt, also dem LVI. Panzerkorps und angeschlossenen Einheiten. Er konnte allerdings die allgemeine Einstellung der Kämpfe nicht garantieren, da keine Verbindungen zu den einzelnen Einheiten bestanden. Der von Weidling zur Erklärung der Kapitulation beauftragte Oberst von Dufving traf bei Generaloberst Tschuikow, dem Kommandeur der 8. Gardearmee der Roten Armee, auf eine zivile Delegation unter Führung eines Herrn Fritsche, Ministerialrat im Propagandaministerium, der anbot, im Rundfunk die Kapitulation Berlins zu verkünden. Während dies noch verhandelt wurde, traf Weidling persönlich bei Tschuikow in dessen Hauptquartier im Schulenburgring 2 in Tempelhof ein. Um 7:50 Uhr begann Weidling mit der Abfassung des Kapitulationsbefehls. Es wurden Lautsprecherwagen mit je einem sowjetischen Offizier und einem deutschen Offizier in die Stadt geschickt. Zur Vervielfältigung sprach Weidling den Kapitulationsbefehl auf Band. Die Beendigung der Feindseligkeiten war auf 13 Uhr festgelegt worden, aber es war wohl eher 17 Uhr, als alle Kampfhandlungen in der Stadt eingestellt waren.

Der Reichstag in Berlin 1945
(Bild: No 5 Army Film & Photographic Unit.(GB) Hewitt -Sgt-)


Wassili Iwanowitsch Tschuikow
Helmuth Weidling

Die „Schlacht um Berlin“ kann sinnbildlich genommen werden für die Brutalität des gesamten Krieges. Mit dem Volkssturm opferten sich noch tausende HJ-Jungen und alte Männer in den letzten Wochen des Krieges. Deserteure oder Zivilisten, die sich kritisch äußerten, wurden auch noch in den letzten Tagen des Krieges erschossen. Auch auf sowjetischer Seite wurden Tausende Soldaten geopfert, weil die Eroberung von Berlin so bald wie möglich gefordert war, koste es was es wolle. Auch teilweise bedingt, durch die Rivalität der Marschalle Schukow und Konjew, im Wettlauf um die Eroberung Berlins.
Das Deutsche Reich konnte in den letzten Kriegstagen nicht mehr von Berlin aus regiert und verwaltet werden. Die Regierung übernahm Großadmiral Dönitz, als Reichspräsident, ebenfalls am 2. Mai 1945 im Sonderbereich Flensburg-Mürwik. Er konnte im Grunde nur noch die Verwaltung des Deutschen Reiches bis zur Kapitulation sicherstellen. Aus Angst vor der Roten Armee und aus Verzweiflung kam es in den letzten Tagen vor der Kapitulation zu vielen Selbstmorden.

 Das zerstörte Berlin in einer englischen Luftbildaufnahme von 1947
Die Führung der Roten Armee befürchtete, dass es in der Euphorie des Sieges, gefördert durch Alkohol, zu Gewalttaten an der deutschen Zivilbevölkerung kommen würde. Deshalb gab Marschall Rokossowski einen Tagesbefehl heraus, nach dem Plünderern und Vergewaltigern das Standrecht drohte. Obwohl sich auch andere Offiziere der Roten Armee darum bemühten, derartige Vorfälle einzudämmen, kam es nach der Einnahme von Berlin zu zahlreichen Plünderungen und Vergewaltigungen. Wenn auch die meisten Soldaten der Roten Armee sich nicht an Gewalttaten beteiligten, taten es doch eine ganze Menge und die Mehrheit hatte andere Prioritäten, als den Schutz der Zivilbevölkerung des besiegten Feindes. Inwieweit Rachegelüste, Beutegier, archaische Prinzipien, Propaganda oder dergleichen als Grundlage für solche Vorfälle heranzuziehen sind, sei einmal dahingestellt. Die negativen Auswirkungen eines Krieges für die Besiegten gehören letztlich zur Natur des Krieges. Irgendwelche hehren internationalen Regeln sind lediglich ein intellektuelles Feigenblatt, als Rechtfertigung für die äußerst dünne Schale der Zivilisation, sofern sie überhaupt von den Kriegsparteien anerkannt werden. Der Krieg indes hat seine eigenen Regeln, die wenig dazu geeignet sind, im Menschen die „Segnungen“ der besten „Errungenschaften der Zivilisation“ zu befördern.

 Konstantin Konstantinowitsch Rokossowski
 
Knapp eine Woche nach der Einnahme Berlins trat am 8. Mai 1945 die bedingungslose Kapitulation der Wehrmacht mit der Unterschrift von Generaloberst Alfred Jodl, der von Reichspräsident Dönitz zu deren Unterzeichnung autorisiert worden war, in Kraft. Damit wurde der Zweite Weltkrieg in Europa nach fast sechs Jahren beendet.

 Die Unterzeichnung der bedingungslosen Kapitulation durch Generaloberst Jodl in Reims
(PD-USGov-Military-Army) 
Die bedingungslose Kapitulation der deutschen Wehrmacht im Zweiten Weltkrieg, die zum Ende der militärischen Feindseligkeiten der Alliierten gegen das Deutsche Reich führte, wurde am 7. Mai 1945 im Obersten Hauptquartier der Alliierten Expeditionsstreitkräfte in Reims unterzeichnet. Der Reichssender Flensburg verkündete am 7. Mai um 12:45 Uhr zum ersten Mal von deutscher Seite her das Ende des Zweiten Weltkrieges in Europa. Die bedingungslose Kapitulation trat für alle Fronten am 8. Mai um 23:01 Uhr mitteleuropäischer Zeit in Kraft. Da diese militärische Kapitulation nicht von den Oberbefehlshabern der einzelnen Teilstreitkräfte der deutschen Wehrmacht unterzeichnet werden konnte, wurde anschließend ein weiteres Dokument unterzeichnet, das die Ratifizierung dieser Kapitulation durch das Oberkommando der Wehrmacht (OKW) sowie durch die Oberbefehlshaber von Heer, Luftwaffe und Kriegsmarine vorsah. Dies geschah rückwirkend zum 8. Mai 1945, 23:01 Uhr MEZ durch Unterzeichnung einer weiteren Kapitulationserklärung am 9. Mai um 0:16 Uhr im ehemaligen Offizierskasino der Heerespionierschule in Berlin-Karlshorst, beim Hauptquartier der sowjetischen 5.Armee. Da in der Sowjetunion die Kapitulation erst nach diesem Akt bekanntgegeben wurde und bedingt durch die Zeitverschiebung das Inkrafttreten der Kapitulation in Moskau auf den 9. Mai fällt, werden in Russland bis heute die Feierlichkeiten zum Ende des „Großen Vaterländischen Krieges“ als „Tag des Sieges“ erst an diesem Tag begangen.


Das sowjetische Hauptquartier in Berlin-Karlshorst, in dem die bedingungslose Kapitulation der deutschen Streitkräfte unterzeichnet wurde, 1945.
(Bild: Bundesarchiv, Bild 183-E0406-0022-029)
Die Ratifizierung der bedingungslosen Kapitulation durch Generalfeldmarschall Keitel in Berlin-Karlshorst
(PD-USGov-Military-Army)


Die deutsche Staats- und Wehrmachtführung räumte also den alliierten Siegermächten das Recht ein, alle politischen, militärischen und gesellschaftlichen Angelegenheiten Deutschlands zu regeln. Um hierfür eine Basis zu schaffen, schlossen die vier Hauptsiegermächte einen Monat später ein Abkommen, das als „Berliner Erklärung“ bekannt wurde und mit dem sie die oberste Regierungsgewalt auf dem Gebiet des Deutschen Reiches in den Grenzen von 1937 übernahmen. Die Kapitulation und die „Berliner Erklärung“ bildeten die Grundlage für den Viermächte-Status, aufgrund dessen die Alliierten bis zum 3. Oktober 1990 für „Deutschland als Ganzes“ formell verantwortlich blieben.
 Deutschland, Juni 1945 Die Oberbefehlshaber der vier verbündeten Armeen trafen sich am 5. Juni 1945 in Berlin. Es wurden drei Dokumente bekanntgegeben: "Erklärung in Anbetracht der Niederlage Deutschlands", "Feststellung über die Besatzungszonen" und "Feststellung über das Kontrollverfahren". Der britische Feldmarschall Bernard L. Montgomery (l.), US-General Dwight D. Eisenhower (2.v.l.) und der französische General Jean de Lattre de Tassigny (r.) bei Marschall der Sowjetunion Georgi K. Shukow in Berlin-Wendenschloß.
(Bild: Bundesarchiv, Bild 183-14059-0018)
 
Nach dem Ende des Zweiten Weltkrieges wurden im Stadtgebiet von Berlin sowjetische Ehrenmale angelegt. Sie sollten an die getöteten Sowjetsoldaten erinnern, insbesondere an die, die bei der Eroberung Berlins gefallen waren. Denkmalsetzungen, die oft schlichten, provisorischen Charakter trugen, begleiteten die vorrückenden sowjetischen Fronten bis nach Berlin. Schauplätze des Krieges, Friedhöfe, Massengräber und Einzelgrabstätten wurden mit Stelen, Schrifttafeln oder Obelisken versehen. Das zentrale Ehrenmal war die Anlage im Treptower Park. Davor wurde das Ehrenmal im Tiergarten errichtet und daneben das in der Schönholzer Heide sowie eines im Schlosspark Buch (Pankow).
Der Standort
Der Treptower Park wurde 1876–1888 nach Plänen des Städtischen Gartendirektors und Lenné-Schülers Gustav Meyer auf einem Gelände von 88,2 ha angelegt. Als „Volkspark“ sollte er offen sein für alle Bürger. Meyer legte 1864 einen ersten Entwurf vor, der zwar von der Stadtverwaltung begrüßt, aber lange Zeit nicht angenommen wurde. Erst 1875 konnte Meyer die ersten Arbeiten beginnen lassen, wobei er festlegte, dass an allen äußeren Punkten des Geländes die Arbeiten zugleich beginnen sollten. Er verhinderte damit, dass die Stadtverwaltung angedachte Sparmaßnahmen durchsetzen konnte. Ein Husarenstück, woran man erkennt, dass manche Dinge sich leider und andere Dinge – dem Himmel sei dank – nie ändern. Das Herzstück dieser Anlage sollte in seiner Mitte eine große Spiel- und Sportwiese in Form eines Hippodroms darstellen, 250 Meter lang und 100 Meter breit. In der Nähe der Spielwiese legte Meyer den künstlichen Karpfenteich an. Als zentrale Achse diente die Puschkinallee, die als Straße mit mächtigen Platanen eine beeindruckende Wirkung entfaltet. Meyer erlebte die Fertigstellung nicht mehr. Er starb 1877, sodass sein Nachfolger als städtischer Gartendirektor Hermann Mächtig die Arbeiten 1888 vollendete. Der Treptower Park gliedert sich in große, sonnige Liegewiesen, die sich abwechseln mit breiten, geschwungenen Wegen. Er gilt geradezu als Schulbeispiel der landschaftlichen Gartengestaltung im Rahmen der Lenné-Meyerschen Schule, wie sie im 1860 erschienenen „Lehrbuch der schönen Gartenkunst“ dargelegt wird.

Gustav-Meyer-Büste (von Albert Manthe), Berlin Treptower Park
(Bild: Georg Slickers 2005)
  
Vom 1. Mai bis 15. Oktober 1896 fand im Treptower Park die Berliner Gewerbeausstellung statt. Immer wieder war der Park Schauplatz großer Demonstrationen. Gegen Ende des Kaiserreichs fanden hier vielerlei Kundgebungen statt, die von der dämmernden Wendung in den Machtverhältnissen zeugten. Teilweise versammelten sich dabei über 100.000 Menschen, was einen anderen Blick auf die Konzeption eines „Volksparkes“ eröffnet, als sich diejenigen, die sie entwarfen und genehmigten gedacht haben dürften.
Gewerbeausstellung 1896 im Treptower Park 
 
Das Herzstück des Treptower Parks, das Hippodrom, wurde nach dem zweiten Weltkrieg als Standort für das zentrale sowjetische Ehrenmal ausgewählt. Zur Gestaltung des Ehrenmals wurde von der sowjetischen Kommandantur ein Wettbewerb ausgelobt. Der Beitrag von einem sowjetischen Schöpferkollektiv setzte sich durch. Diesem gehörten der Architekt Jakow B. Belopolski, der Bildhauer Jewgeni W. Wutschetitsch, der Maler Alexander A. Gorpenko und die Ingenieurin Sarra S. Walerius an. Der Architekt Belopolski schreibt 1950, dass etwa vierzig Entwürfe, von ungefähr fünfzig Bildhauern und Architekten eingereicht wurden, darunter auch Deutsche. Die starke und überzeugende inhaltliche Aussagekraft, die räumlich großzügig gegliederte Komposition sowie eine äußerst gelungene organische Verbindung von Architektur, Skulptur und landschaftlichen Gegebenheiten sollen dabei das bestätigte Projekt ausgezeichnet haben. Ab Juni 1946 wurde das Projekt in die Tat umgesetzt und am 08. Mai 1949 fand die Einweihung statt. 
 Jakow Borisowitsch Belopolski
(Bild: Архитектура и строительство Москвы)
Künstlerische Überlegungen und Architektur
Die Architekten und Künstler fanden für das, was sie ausdrücken wollten keine Vorbilder oder Ausgangsideen in anderen Monumenten. Der hergebrachte Begriff des „Denkmals“ sollte neu definiert werden – auf eine höhere Stufe transferiert werden. So beschlossen sie, dass sie neue Wege beschreiten müssen und nahmen dabei Anleihen am Klassizismus nach Carlo Rossi, dem Gestalter großer Teile des Stadtkerns Sankt Peterburgs. Diese wurden verschmolzen mit einem „requiemartigen Charakter, indem der Kurgan, als Inbegriff des traditionellen Rückgriffs auf die Geschichte der eigenen Heimat, durch die Schöpfer der Anlage als Form genutzt wurde. Es handelt sich beim Kurgan um das historische Motiv eines Hünengrabes von asiatischen Steppenvölkern im Altertum. In der sowjetischen Erinnerungskultur sollte sich, von Treptow ausgehend, gerade der Kurgan zu einem zentralen Denkmalmotiv entwickeln. Die Arbeit beherrschte, nach Aussage des Bildhauers Wutschetitsch, der Gedanke, „dass sich das künftige Monument im Zentrum Europas erheben wird, dass die Menschen aller Länder der Welt darauf blicken und dass sie es unzweifelhaft als Beispiel sowjetischer Kunst betrachten werden.“ Sie „vermieden alles Pompöse und Künstliche“, die Soldaten und Kommandeure sollten so dargestellt werden, „wie sie wirklich waren: einfache, dem Volke verbundene Menschen“. Es sollte „über das Gefühl tiefer Trauer das Bewusstsein vom Triumph des Lebens dominieren“. Es fällt auf, dass – trotz der Inszenierung des Sieges – in keinem Detail der gesamten Anlage der besiegte Feind dargestellt wird. Keine sich ergebenden deutschen Soldaten, Offiziere oder gefangene deutsche Generale; keine Kolonnen verhungerter, ausgedörrter Gestalten, die einst den Stolz des deutschen Militarismus darstellen sollten; keine auf die sowjetischen Straßen geschmetterten deutschen Feldzeichen – der Triumph über den Feind tritt hinter die Sache des Sieges.
Es wurde oft angemerkt, dass man bei der Errichtung des Ehrenmals, trotz der katastrophalen Wohnungsknappheit, Ressourcen und Kräfte gebunden hat, die andernorts benötigt wurden. Dennoch meine ich, ist es nachvollziehbar, dass die Sowjetmacht ein Zeichen setzen wollte, das „im Zentrum Europas“ von ihrer Größe kündet. Nicht zuletzt stellte der „Große Vaterländische Krieg“ das Ereignis dar, in welchem sich eben diese Sowjetmacht, die auch in der eigenen Heimat vorher keineswegs unbestritten war, in der Welt als Machtfaktor unbestritten manifestierte.
Der Große Vaterländische Krieg von 1941 bis 1945 stellt seinem Ausmaß und seiner Bedeutung nach etwas Unvergleichliches in der Weltgeschichte dar. Indem das Sowjetvolk die Freiheit seiner Heimat verteidigte und den Faschismus besiegte, vollbrachte es eine außerordentliche Heldentat für die gesamte Menschheit. Im Großen Vaterländischen Krieg zeigten sich mit ungewöhnlicher Kraft die hervorragenden Eigenschaften der Sowjetarmee, einer Armee neuen Typs, einer Armee freier Völker eines sozialistischen Landes, einer Armee, die im Geiste des proletarischen Internationalismus erzogen ist, einer Armee, die für die höchsten und edelsten Ideale der Menschheit kämpft.Jewgeni Wiktorowitsch Wutschetitsch (1963)
 Jewgeni Wiktorowitsch Wutschetitsch
Der Mythos der „Armee neuen Typs“ sollte hier wohl in eine monumentale Form gesetzt werden, die diesen zelebriert und dadurch gleichsam aus sich selbst erschafft. Nicht als Inszenierung der Erinnerung, in Form eines Krieger- oder Heldendenkmals, sondern als Siegesmonument – Der Sowjetsoldat als Träger der Zukunft.
Der Klassizismus in Verbindung mit Anleihen aus der Vorgeschichte des Raumes, der die Wiege der Sowjetmacht darstellt, als monumentales landschaftliches Ensemble, war keineswegs zufällig oder Zeichen „künstlerischen Ausdrucks“. Er reihte sich vielmehr ein in den Ausdruck der Sowjetmacht selbst, wie sie sich selbst sah – wie sie gesehen werden sollte. Das Kunst und insbesondere Architektur Ausdruck der Macht sind, galt schon bei frühesten Zivilisationen und gilt bis in die heutige Zeit.
Nun sollte man meinen, dass eine Macht, die dazu angetreten ist, die Zukunft radikal neu zu gestalten, dies auch in ihrer Architektur manifestiert. Dies tat man in den Anfangsjahren dadurch, dass man den Konstruktivismus als bestimmende Architektur in der Sowjetunion etablierte. Doch der Konstruktivismus, mit seiner kalten und distanzierten Formsprache, erschuf Gebäude, die ausgesehen haben wie Werkhallen oder als wären sie selbst nicht ganz fertig. Doch in einer Zeit, in der Mangel das Leben der Menschen beherrschte, konnte man die Machtbasis der Massen damit nicht begeistern. Man erkannte das Bedürfnis der Menschen, dass sie Erhabenheit brauchten, etwas wohin sie aufschauen konnten, mit dem sie sich identifizieren konnten, das ihnen Hoffnung gab, Hoffnung auf Besserung der Lebensumstände – Hoffnung durch die Partei.
Anfang der dreißiger Jahre begann man damit, sämtliche Künstler und somit auch Architekten auf diese neue Linie einzuschwören. Man fasste alle „Schaffenden“ in einheitlichen Verbänden zusammen. Die neue Linie besagte, dass man konkrete Dinge konkret benennt, die Inhalte zur sozialistischen Erziehung des Menschen aufbereitet und sich dazu der Anleihen aus der nationalen Tradition bedient.
Auf dem ersten Kongress des „Verbandes der Architekten der UdSSR“ im jahre 1937 war es Lasar M. Kaganowitsch, der forderte, dass die Häuser nicht lediglich funktional sein sollten, sondern auch schön. Kurz – das Proletariat, als herrschende Klasse, sollte Paläste erhalten. In der Architektur der Partei- und Machtzentralen hielt dies fortan Einzug. Die Machtarchitektur der „Partei der Arbeiterklasse“ transportierte nun das Bild, welches die mächtigen Funktionäre vom System darstellen wollten. Die Allmacht des Systems wurde vergegenwärtigt. Der Einzelne sollte sich als Teil eines heilsbringenden Ganzen verstehen, hinter dem Partial- und Eigeninteressen zurückstehen sollten. Die Macht im Kollektiv verkörperte sich in der Partei – Stalin war der große Baumeister des Sozialismus.
Diese sozialistische Baukunst nahm für sich in Anspruch, genau wie die Gesellschaftsform, die sie repräsentierte, einen Höhepunkt der menschlichen Entwicklung darzustellen, der alles Schöne und Wahrhaftige in sich vereint. Dabei sollte die Überlegenheit auch dadurch zum Ausdruck gebracht werden, dass Gebäude als künstlerische Gesamtkompositionen geplant wurden, im Gegensatz zu gewinnorientiert geplanten und nur oberflächlich mit Schmuckelementen verbrämten „Spekulationsobjekten“ im Kapitalismus. Die Sowjetmacht stellte sich dar, als legitimer Vollstrecker der Geschichte – aus der Vergangenheit erhebt sich die Zukunft. Der Sozialismus und schließlich der Kommunismus sollten als Krönung der menschlichen Entwicklung begriffen werden. Daher wurde es als vollkommen legitim angesehen, sich alle als wertvoll erachteten Errungenschaften der Vergangenheit anzueignen und diese, im Zuge dessen, im eigenen Sinne weiterzuentwickeln. Daher orientierte man sich nicht lediglich am Klassischen und adaptierte es, sondern gestaltete es auch im eigenen Sinne, um so zu einem eigenen neuen Stil zu gelangen. 
 
Die Anlage und ihre Aussage
Die Anlage wird beidseitig von Magistralen begrenzt, der „Puschkinallee“ und der Straße „Am Treptower Park“. Dabei ist die Anlage umsäumt von mächtigen alten Platanen und somit abgegrenzt von der Umgebung. Wie Wutschetitsch es in seinen Erinnerungen ausdrückte, „läßt man das Großstadtleben hinter sich und steht völlig unter dem Eindruck des Ehrenmals...“

 Sowjetisches Ehrenmal Treptower Park
(Bild: Senatsverwaltung für Stadtentwicklung und Umwelt Berlin)
 
Die Anlage selbst ist in drei Komplexe unterteilt. Den ersten Komplex bilden zwei halbrunde Plätze, jeweils an den zwei zuführenden Magistralen, mit mächtigen Zugangsportalen, die mit stumpfwinklig zu den Magistralen führenden Aleen zum zweiten Komplex führen. Der zweite Komplex ist ein kleiner Platz, auf dem die Skulptur der „Mutter Heimat“ steht, am Schnittpunkt der Hauptachse, sowie einer ansteigenden Allee, auf dieser Hauptachse, die zum Eingang des eigentlichen „Ehrenhains“ führt. Dieser Eingang wird gebildet durch zwei große Pylonen, in Form von stilisierten Fahnen, vor denen jeweils eine Skulptur eines knienden Soldaten angebracht sind. Der dritte Komplex, also der Hauptkomplex oder der eigentliche Ehrenhain, umfasst das Parterre, die „Sarkophage“ und die Hauptfigur auf dem Kurgan. Zur Anlage führt Wutschetitsch, in musikalischen Metaphern, aus:
Die Komposition des Ensembles, seine einzelnen räumlichen Komplexe, alle künstlerischen Ausdrucksmittel tragen dazu bei, dass die Trauerakkorde, die den Besucher empfangen, immer stärker anschwellen und sich zu einer Hymne vom Triumph des Lebens steigern.

 Gitter um das Ehrenmal 

Der gesamte Gedenkfriedhof ist von einem 3,5 m hohen und 900 m langen Bronzegitter umgeben. Man kann die Anlage also nur durch eines der beiden mächtigen Zugangsportale betreten oder verlassen, die als Rundbögen ausgeführt sind und auf denen, wie bei allen Texten des Ensembles zweisprachig ausgeführt, die Worte zu lesen sind:
Ewiger Ruhm den Helden, die für die Freiheit und Unabhähngigkeit der sozialistischen Heimat gefallen sind.
Eines der Zugangsportale
(Bild: Andreas Schwarz 2015)
Durch die Zugangsportale hindurch ist die Figur der „Mutter Heimat“ zu sehen und es führen zwei Alleen zu ihr, die durch übermannhohe beschnittene Hecken begrenzt werden.
Die Skulptur „Mutter Heimat“ ist 2,5 m hoch und wurde aus einem 50 t Block hellgrauen Granits herausgemeißelt. Sie ruht auf einem Sockel aus rotem polierten Granit. Dargestellt wird eine ältere Frau, in einfacher Kleidung, die linke Hand an die Brust gedrückt, hält das Ende eines Umschlagtuches, während die rechte Hand auf eine Bank gestützt ist. Das Antlitz der Mutter zeigt tiefe Trauer. Der Eindruck der Trauer wird noch durch die im Halbrund hinter der Skulptur angeordneten Hängebirken verstärkt. Dennoch zeigt die Skulptur in ihrer Trauer eine Würde, deren Eindruck noch durch die, einer Krone gleich, geflochtenen Haare unterstrichen wird. Wutschetitsch schreibt dazu:
Diese Statue soll nach unserer Vorstellung die tiefe Trauer des Sowjetvolkes um seine besten Söhne ausdrücken. Zugleich soll sie Sinnbild sein für das edle Ziel und die Rechtmäßigkeit ihres Kampfes gegen die Kräfte des Imperialismus und für die Freiheit der Völker. […]
Wir bemühten uns, im geneigten Haupt, in dem edlen, einfachen Antlitz, in den knappen, strengen Falten der Kleidung ihren Kummer und zugleich das Bewusstsein von der Größe des Todes ihrer Söhne für hohe Ideale, für den Sieg des Lebens über den Tod zum Ausdruck zu bringen. Wir waren der Überzeugung, dass die Echtheit des in dieser Figur dargestellten Gefühls sie jedem, der dorthin kommt, um die gefallenen Helden zu ehren, besonders nahe bringen wird.
 "Mutter Heimat"
(Bild: Andreas Schwarz 2015)
Von der Skulptur „Mutter Heimat“ führt eine Allee, an den Seiten eingefasst von grünen Böschungen, Einfassungen der Rasenflächen und vier Reihen Pappeln. Diese Allee gewinnt auf 100 Meter 3,5 Meter an Höhe. Durch diese Steigung verlangsamt sich der Schritt und der Besucher „schreitet“ dem Haupteingang zum „Ehrenhain“ zu. Dieser Haupteingang wird gebildet durch zwei gewaltige, stilisierte und gesenkte Fahnen aus rotem polierten Granit, mit 14 m Höhe und 25 m Breite. Die Fahnen weisen strenge und schwere vertikale Falten auf, die ihre Feierlichkeit unterstreichen. Auf den Fahnen befinden sich eingemeißelte Inschriften, mit dem Wortlaut:
Ewiger Ruhm den Kämpfern der Sowjetarmee, die ihr Leben hingegeben haben im Kampf für die Befreiung der Menschheit von faschistischer Knechtschaft.
Allee zum Haupteingang
(Bild Andreas Schwarz 2015)
Vor diesen Fahnen sind jeweils eine in Bronze gegossene 40 t Skulptur eines Soldaten dargestellt, der in Trauer kniend verharrt, den Helm abgenommen und die Waffe auf den Boden gestützt. Diese Skulpturen sollen die verschiedenen Generationen von Soldaten symbolisieren, die am Kampf teilgenommen haben, denn links kniet ein älterer erfahrener Gardist und rechts ein junger Soldat. Diese Beiden stellen die generationsübergreifenden Kampfgenossen der Gefallenen dar, die diesen die letzte Ehre erweisen. Dazu führt Wutschetitsch aus:
Nach unserer Vorstellung sollten die knienden Rotarmisten mit den gesenkten Fahnen ein kompositorisches Ganzes bilden, welches das starke Gefühl der Trauer, der Liebe, männlicher Strenge und erhabener Feierlichkeit beim Gedenken an die Gefallenen zum Ausdruck bringt.






Fahnenportal und Skulpturen der kienden Soldaten
(Bilder: Andreas Schwarz 2015)

Durch dieses gewaltige Portal des Haupteinganges gelangt man auf die obere Terrasse, auf welcher sich unerwartet der Blick auf das zentrale Parterre eröffnet und die zu beiden Seiten aufgereihten steinernen „Sarkophage“ sowie dem Hauptmonument.  
 Zentralteil, mit Hauptmonument und "Sarkophagen" (seitlich)
(Bild: Andreas Schwarz 2015)
Entgegen ersten Entwürfen verzichtete man darauf, das Parterre über eine zentrale Freitreppe direkt zugänglich zu machen. Stattdessen wurden symmetrische Treppenanlagen seitlich der Hauptterrasse errichtet, welche die Dramatik des Abstieges steigern, nachdem der Besucher zum Verweilen und Überblicken aufgefordert war. Vor der Böschung zum Parterre des Ensembles stehen zu beiden Seiten zwei Birken. Die Pflanzflächen der Bäume sind durch einen starken Rahmen aus der Plattenfläche herausgehoben. Die Birken wurden eigens aus dem Gebiet von Smolensk herangeschafft und während der Bauarbeiten als Großbäume eingepflanzt. Sie „erinnern“, laut Wutschetitsch, „an unser fernes heimatliches Sowjetland.“
 Hauptterrasse, im Vordergrund die Smolensker Birken
(Bild: Andreas Schwarz 2015)
An der unteren Terrasse zum Parterre steht ein großer Gedenkstein, unter dem vier „Helden der Sowjetunion“ bestattet sind. Er trägt die Aufschrift:
Die Heimat wird ihre Helden nicht vergessen.
Gedenkstein
(Foto: Andreas Schwarz 2015)

Im Zentrum des Parterres befinden sich auf der Hauptachse fünf mit Gras und kleinen Hecken begrünte Gräberfelder, in welchen quadratische Granitplatten mit je einem Lorbeerkranz in der Mitte ruhen. Die Felder sind von einem malerischen Mosaikteppich aus Naturstein umgeben, auf welchem Lorbeerzweige auf rotem Untergrund dargestellt werden. Der rote Untergrund harmomiert dabei mit dem Rot der Fahnenpylonen. Auf beiden Seiten des Parteres verlaufen Alleen. Sie sind mit gebrochenen Granitplatten gepflastert.
Von den Fahnen bis zum Kurgan beiderseits des Parterres sind jeweils acht „Sarkophage“ angeordnet. Die sich jeweils gegenüberliegenden zwei Sarkophage stellen das gleiche dar. Die Sarkophage sind 3,5 m hoch und fast 5 m lang und bestehen aus weißem Jurakalk. Sie ruhen auf Granitsockeln und erheben sich dadurch etwas über das Niveau der Alleen. An den Stirnseiten der Sarkophage, dem Zentrum des Ehrenhains zugewandt, sind auf der linken Reihe in russischer, auf der rechten in deutscher Sprache Worte J. W. Stalins eingemeißelt. Auf ihren Seitenflächen, gut sichtbar auch aus größerer Entfernung, sind Reliefs angebracht, die auf künstlerische Weise den Inhalt der Texte wiedergeben. Jedes Relief hat eine Fläche von 12 m². Die Darstellungen sind frei und ohne Umrandung ausgemeißelt. Die maximale Tiefe der einzelnen plastischen Elemente in den Reliefs beträgt bis zu 10 cm. Zu den „Sarkophagen“ schreibt Wutschetitsch:
Um die gewaltige historische Rolle der Sowjetarmee bei der Befreiung der Menschheit von der drohenden Gefahr der Versklavung durch den Faschismus zu verdeutlichen und unsere Armee als eine Armee neuen Typs, als Befreiungsarmee, als Armee des Friedens, des Fortschritts und des Humanismus zu zeigen, bemühten wir uns, den Verlauf des Vaterländischen Krieges in konkreten Episoden darzustellen.
An der Stirnseite des ersten „Sarkophages“ liest der Besucher folgende Worte:
Zwei Jahrzehnte schützte die Rote Armee die friedliche Aufbauarbeit des Sowjetvolkes. Doch im Juni 1941 überfiel Hitlerdeutschland wortbrüchig unser Land, indem es in brutaler und niederträchtiger Weise den Nichtangriffspakt verletzte, und die Rote Armee sah sich gezwungen, ins Feld zu ziehen, um ihre Heimat zu verteidigen.
Der Betrachter sieht auf den Reliefs Menschen, die in Bombardements umgekommen sind, eine weinende Frau am zerstörten Herd und Trümmer. Hier kommen Gefühle zum Ausdruck, die den Angreifer verwünschen.
Der zweite „Sarkophag“ trägt auf der Stirnseite die Inschrift:
Die Hitlerschen Schurken ... haben es sich zum Ziel gesetzt, die Bevölkerung der Ukraine, Bjelorußlands, des Baltikums, der Moldau, der Krim und des Kaukasus zu versklaven oder auszurotten. Unser Ziel ist klar und edel. Wir wollen unseren Sowjetboden befreien.
Auf den Reliefs sind Schrecken und Folterungsszenen zu sehen. Außerdem wird der Widerstand der Sowjetbürger, die in den Partisanenabteilungen gegen den Feind kämpften dargestellt.
Das erste Relief dieses „Sarkophages“ zeigt unter anderem ein Mädchen, das an einen Pfahl gebunden ist. Auf dem zweiten Relief sieht man Partisanen in dichten Wäldern.
An der Stirnseite des dritten „Sarkophages“ stehen die Worte:  
Die Erfolge der Roten Armee wären unmöglich gewesen ohne die Unterstützung des Volkes, ohne die aufopfernde Arbeit der Sowjetmenschen in den Betrieben, in den Bergwerken und Kohlengruben, im Verkehrswesen und in der Landwirtschaft.
Auf dem einen Relief dieses „Sarkophages“, sind ein Arbeiter, eine Arbeiterin, eine Kolchosbäuerin und ein Ingenieur dargestellt, die den Soldaten Waffen überreichen. Auf dem anderen Relief dieses Sarkophags vor dem Hintergrund des Denkmals für Kusma Minin und Dmitri Posharski, das den Patriotismus des Volkes symbolisieren soll, wird dargestellt wie Sowjetbürger dem Staat ihre Ersparnisse und anderweitige Spenden zur Verfügung stellten.

Die Inschrift des vierten „Sarkophages“ lautet:
Eine große Befreiungsmission ist Euch übertragen worden. Möge Euch in diesem Krieg das heldenmütige Vorbild Eurer großen Vorfahren beseelen - Alexander Newskis, Dmitri Donskois, Kusma Minins, Dmitri Posharskis, Alexander Suworows, Michael Kutusows! Möge Euch das siegreiche Banner des großen Lenin Kraft verleihen!
Auf dem einen Relief dieses „Sarkophages“ ist vor dem Hintergrund des Kreml und unter dem Leninbanner eine Reihe von Soldaten dargestellt, die perspektivisch in die Tiefe verkürzt wurde. Das zweite Relief zeigt den Eid der Gardisten bei der Übergabe der Gardefahne, deren Saum der vor der Front kniende Kommandeur küsst.

Der Text auf dem fünften „Sarkophag“ lautet:
Die heldenhaften Verteidiger von Moskau und Tula, von Odessa und Sewastopol, von Leningrad und Stalingrad gaben Beispiele grenzenloser Tapferrkeit, eiserner Disziplin, der Standhaftigkeit und der Kunst zu siegen. Nach diesen Helden richtet sich unsere ganze Rote Armee.
Die Reliefs stellen die Verteidigung der Städte und ihre Kämpfer dar.
Auf dem sechsten „Sarkophag“ steht:
Die Rote Armee hat ihr edles und erhabenes Kriegsziel, das sie zu Heldentaten begeistert. Dadurch ist eigentlich auch zu erklären, daß der Vaterländische Krieg bei uns Tausende von Helden und Heldinnen hervorbringt, die bereit sind, für die Freiheit ihrer Heimat in den Tod zu gehen.
Das eine Relief stellt einen Soldaten mit Handgranaten dar, der sich unter einen herannahenden feindlichen Panzer wirft. Wutschetitsch zu dieser Szene:
Gleich dem gebrochenen jungen Baum endet auch das junge Leben des sowjetischen Patrioten. Doch der Feind ist zum Stehen gebracht.
Auf dem anderen Relief ist ein junger Soldat zu sehen, der mit seiner Brust eine Schießscharte verdeckt.
Auf dem siebenten „Sarkophag“ ist zu lesen:
Die in unserem Lande verankerte Ideologie der Gleichberechtigung aller Rassen und Nationen, die Ideologie der Völkerfreundschaft hat den vollen Sieg über die hitlerfaschistische Ideologie des bestialischen Nationalismus und Rassenhasses errungen.
Auf dem einen Relief ist zu sehen, wie sich eine weinende alte Frau an die Brust eines Sowjetsoldaten schmiegt; ein anderer Soldat beugt sich über ein verwundetes Kind; ein Kavallerist hat einen kleinen Jungen auf den Arm genommen; ein junger Mann (laut Wutschetitsch Tscheche) trägt eine Fahne, die er den Befreiern entgegenstreckt.
Im letzten, dem achten „Sarkophag“, auf einer Höhe mit dem Hauptmonument, ist folgendes Zitat eingemeißelt:
Ewiger Ruhm den Helden, die in den Kämpfen für die Freiheit und Unabhängigkeit unseres Heimatlandes gefallen sind.
Die Reliefs stellen die Trauer des Volkes um seine Gefallenen dar. 
  Der Hauptpunkt der Anlage, dem alle Gestaltungselemente als Dekoration zu dienen scheinen, ist die Kolossalstatue des „Befreierkriegers“ („Во́ин-освободи́тель“). Ein Amphitheater und Baumpflanzungen dienen ihr als Hintergrund. Wutschetitsch schreibt dazu:
Das gesamte Ensemble wird gekrönt von der Komposition des Hauptmonuments, das aus dem Kurgan, dem Sockel und der 13 Meter hohen Figur des Soldaten besteht. Der Sowjetsoldat hält in der rechten Hand ein Schwert, mit dem er das faschistische Hakenkreuz zerschlagen hat. Auf dem linken Arm trägt er ein Kind - Symbol der Befreiung der Menschheit von der Gefahr faschistischer Versklavung, Sinnbild der lichten Zukunft freier Völker.
Als ein eigentümliches Element sticht hier zunächst der Kurgan heraus, mit einem Durchmesser von 62 m, auf dessen Spitze in 9,5 m Höhe sich der Sockel der Figur befindet. Der Kurgan stellt eine künstliche Anschüttung dar, die ein aufwendiges Fundament verbirgt und eine Krypta aus Stahlbeton, in der 200 Gefallene bestattet sind. 
 Das Hauptmonument auf dem Kurgan, mit den Lorbeereinfassungen der "Gräberfelder" und den Natursteinplatten im Vordergrund
(Foto: Adreas Steinhoff 2005)
Über eine Treppenanlage, deren Wangen zur Ablage von Blumen und Kränzen abgestuft wurden, ist das Mausoleum erreichbar. Der Rundbau dient der Skulptur als Postament, welches mit weißem Kalkstein verkleidet und durch Reliefbänder verziert ist. Die gesamte Höhe des Hauptmonuments beträgt 30 m.
In ersten Entwürfen zum Monument soll der Bildhauer Wutschetitsch den Soldaten mit einer Maschinenpistole in der Hand dargestellt haben, aber Stalin höchstpersönlich soll ein Schwert als passender und zeitloser empfunden haben. Immer wieder wurde und wird die Frage erörtert, ob der Darstellung des „Befreierkriegers“ ein konkretes Ereignis als ideelle Grundlage gedient hat. Dabei werden oft Namen genannt, wie Trifon A. Lukjanowitsch, aus dem Buch „Berlin 896km“ des sowjetischen Journalisten und Schriftstellers Boris Polewoi, oder Nikolai I. Massalow. Der Bildhauer Wutschetitsch hingegen hat mehrfach bekräftigt, es sei ihm darum gegangen, dem Sieg des Lebens und der Zukunft über Vernichtung und Barbarei, der Befreiungstat der Sowjetunion sowie der Idee des sozialistischen Humanismus Ausdruck zu verleihen. Ob und inwiefern dem Künstler dabei einzelne Schicksale oder Personen als Inspiration gedient haben, ist dabei unerheblich. Außerdem ist eine gewisse Legendenbildung ein, zumindest teilweise, durchaus gewollter Vorgang. Zur Figur selbst schreibt Wutschetitsch in seinen Erinnerungen:
Die Skulptur des sowjetischen Befreierkriegers bringt die Idee der großen internationalen Befreiungsmission der Sowjetarmee im Kampf gegen den Faschismus zum Ausdruck. Diese Skulptur bildet das ideell-kompositorische Zentrum des gesamten Ensembles. Deshalb ist ihr der Platz zugewiesen, von dem aus sie den gesamten Ehrenhain dominiert und sich alle Elemente der räumlichen Komposition unterordnet.
Im Postament, das aus zwei aufeinander stehenden Kegelstümpfen gebildet wird, befindet sich ein kleines Mausoleum. Durch ein Bronzegitter, gelangt man in das Innere des Mausoleums. Der runde Gedenkraum hat eine Höhe von 6 m. Seine Wände sind mit Mosaik ausgelegt und zeigen Vertreter verschiedener Völker, die Fahnen senken und Lorbeerkränze zu Gräbern bringen. Der Schöpfer dieses Mosaiks, bei dem 8000 verschiedene Farbtöne verarbeitet sind, ist der Kunstmaler Alexander A. Gorpenko.

A. A. Gorpenko
Die kuppelförmige Decke wird gekrönt von der Deckenbeleuchtung in Gestalt eines 2,5 m großen Siegesordens aus Kristall und Rubinen. In der Mitte des Mausoleums, auf einem niedrigen Sockel aus schwarzem Granit, lag einst in einer vergoldeten Schatulle ein Ehrenbuch in dem Namen von hier bestatteten Soldaten stehen.




Der Innenraum des Mausoleums, mit dem "Siegesorden und dem Mosaik
(Bilder: Georg Slickers 2005 / ernstol 2014)


Um die Kuppel stehen in goldenen Buchstaben die Worte von J.W. Stalin:
Heute erkennen alle an, daß das Sowjetvolk durch seinen aufopfernden Kampf die Zivilisation. Europas vor den faschistischen Pogromhelden gerettet hat. Darin besteht das große Verdienst des Sowjetvolkes vor der Geschichte der Menschheit.
Ныне все признают, что советский народ своей самоотверженной борьбой спас цивилизацию Европы от фашистских погромщиков. В этом великая заслуга советского народа перед историей человечества.
(J.W. Stalin in seiner Rede zum 27. Jahrestag der Oktoberrevolution)
Vom Kurgan aus eröffnet sich das Panorama des gesamten Ehrenmals, mit dem Blick auf die gesenkten Fahnen am Eingang und auf die sich zwischen ihnen im Hintergrund abzeichnende „Mutter Heimat“. 
 Blick vom Kurgan über die Anlage
(Bild: Andreas Schwarz 2015)
Das Ehrenmal wird dann über die Seitenalleen, vorbei an den Fahnenpylonen und der „Mutter Heimat“, durch einen der Torbögen verlassen, auf deren Innenseite die Worte stehen:
Eure großen Heldentaten sind unsterblich. Euer Ruhm wird Jahrhunderte überleben. Die Heimat wird Euch stets in Erinnerung behalten.
Torbogen beim Verlassen der Anlage
(Bild: Andreas Schwarz 2015)
Die skulpturalen Pflanzendarstellungen und die Bepflanzung haben, über ihre ästhetischen Qualitäten hinaus, einen ausdrücklichen symbolischen Gehalt. In der Reliefkunst der Triumphbögen, im Mosaik und den bronzenen Kränzen des Parterres findet sich Lorbeerlaub als historisches Zeichen des Sieges. Auf ähnliche Weise kommt Eichenlaub an den Triumphbögen und Bronzekränzen zur Darstellung, das traditionell als Symbol der Unsterblichkeit und Dauerhaftigkeit gedeutet wird. Von besonderer Bedeutung als Natursymbole sind die beschriebenen Birken, die als pflanzliche Denkmale die sowjetische Heimat in der Anlage versinnbildlichen sollen, wie die sibirischen Nadelbäume hinter dem Hügel. Trauerbirken werden als Metaphern der Trauer verstanden, während Pyramidenpappeln mit militärischen Attributen gleichgesetzt werden.
Die großzügige Anwendung, Auslegung und Neumodellierung traditioneller Vorbilder ist beim „Ehrenmal“ in Treptow in großer Vielfalt anzutreffen. Das Ensemble fand, wie beschrieben, als räumliche Gesamtkomposition kaum historische Vorbilder, die Bestandteile vereinen jedoch im Einzelnen verschiedene historische Vorbilder. Motive unterschiedlicher Herkunft und Ikonographie wurden umgesetzt, variiert, mit einem neuen Bedeutungshintergrund versehen und zu einem Arrangement zusammengeführt. Triumphbogen, Mausoleum und Sarkophag – Antike; Pylon und Kurgan – Altertum; Krypta – Romanik; Parterre – Barock sowie Terrassensystem – italienische Renaissance sind Beispiele jener Vereinnahmung und Weiterentwicklung historischer Bild- und Formensprache, für die der sozialistische Klassizismus steht. In einer kunstwissenschaftlichen Abhandlung des Jahres 1970 schrieb Volker Frank dazu:
Die Anlage in Treptow zeigt, daß in der Denkmalskunst Bau- und Bildformen von weit zurückreichendem Symbolgehalt besondere ikonographische Schwerkraft gewinnen können.
Das Ehrenmal als Soldatenfriedhof
Aus Unterlagen und Lageplänen geht hervor, dass über 5000 Gefallene im Treptower Park bestattet sind. Die fünf Rasenquadrate im Parterre des Ehrenhains sind nur symbolisch als Grabmale gestaltet. Die Toten wurden am Rand, hinter den „Sarkophagen“, zwischen den Platanen in Feldern von jeweils 4,9 mal 3,5 m, und im Kurgan unter dem Hauptmonument bestattet. Im Zentrum der Anlage, unter einem quadratischen Granitsockel, wurden die vier „Helden der Sowjetunion“ Soldat der Garde Wiktor A. Saschinow, Unterleutnant Boris S. Bytschkowski, Leutnant Trofim N. Iwanow und Starschisergeant der Garde Boris M. Knjasew bestattet.
 Plan des Ehrenfriedhofs, südliche Seite, April 1946
Im erwähnten Ehrenbuch, welches zunächst im Mausoleum unter dem Hauptmonument aufbewahrt wurde, stehen die Namen von Gefallenen der Roten Armee, die hier begraben wurden und sofern sie bekannt waren. 
 Ehrenbuch - "Namen der gefallenen Helden" 
Der Tod des einzelnen Soldaten tritt bei der Inszenierung dieses Ensembles in den Hintergrund. Der einzelne Krieger ist nicht Individuum, sondern steht stellvertretend für die Sache – den Sieg. Selbst dann, wenn es einzelne Namen gibt und ein Gesicht dazu, endet die Möglichkeit der persönlichen Beziehung mit dem Tod. Vielmehr steht die Rekonstruktion eines persönlichen Schicksals stellvertretend für ein gewaltiges Heer an Namenlosen, vereint im Opfer, welches sie zu erbringen hatten. Den Lebenden zur Identifikation. Zeitlos und geeignet Beständiges in der Veränderung zu entdecken. Die Idee der Unsterblichkeit, im Sinne einer Sache, welcher große Ideale und Werte entsprechen, von einer Menschwerdung des Menschen, wann auch immer, sind genauso hohle wie allerdings auch zeitlose Phrasen, die immer irgendwie innerlich ansprechen können.
 Die vier "Helden der Sowjetunion", die unter dem zentralen Gedenkstein bestattet wurden
Frieda Holzapfel erzählt darüber:
Als man im Jahre 1945 daranging, den für unsere Befreiung vom Hitlerfaschismus gefallenen Sowjetsoldaten im Treptower Park eine würdige Gedenkstätte zu errichten, gehörte auch ich zu den deutschen Frauen, die durch ihrer Hände Arbeit den Grundstein dazu legten.
Unsere erste Aufgabe bestand darin, die Sträucher und Bäume von dem für das Ehrenmal vorgesehenen Gelände zu entfernen, damit wir mit dem Ausschachten der Gemeinschaftsgräber beginnen konnten, die jeweils acht bis zehn Särge mit den Überresten gefallener Sowjetsoldaten aufnehmen sollten.
Es dauerte Wochen und Monate. Dann rollten die ersten Autokolonnen mit ihrer traurigen Last heran. Die Träger senkten die Särge in die von uns fertiggestellten Gräber. Uns wollte der Anblick fast das Herz abdrücken. Eines Tages waren, wie immer in jenen Wochen, wieder viele Särge mit den toten Helden gebracht worden. Meine drei Arbeitskolleginnen sprangen rasch zur Seite, um dem starken Verwesungsgeruch zu entgehen. Ich blieb am Grabe stehen, ohne zu wissen, warum. Ich konnte einfach nicht von der Stelle gehen. Tiefer Schmerz hatte mich befallen. Tränen stiegen mir in die Augen. Ich mußte weinen, unaufhörlich weinen. Meine Gedanken waren irgendwo bei einer russischen Mutter, deren Liebstes man zur Stunde hier in deutsche Erde bettete.
Ich dachte an meinen Sohn und an meinen Mann, die beide noch vermißt waren, und daran, daß ihr Schicksal vielleicht ein ähnliches sei.
Da plötzlich löste sich aus der Trägerkolonne ein junger Sowjetsoldat, streifte die Gummihandschuhe ab und trat zu mir.
,Mutter, warum weinst du?' sagte er in gebrochenem Deutsch. ,Weinen ist nicht gut! Deutscher Kamerad schläft in Rußland, russischer Kamerad schläft hier ... Egal, wo sie schlafen ... Hauptsache, daß Frieden bleibt ... Russische Mütter weinen auch. Krieg ist nicht gut für die Menschen!' Ich konnte nicht antworten, meine Kehle war wie zugeschnürt. Und wieder brachten sie Särge, immer mehr Särge ...
Wir waren noch bei der Arbeit, als der junge Sowjetsoldat zurückkehrte und mir ein Päckchen in den Arm drückte. ,Mutter, weine nicht mehr!' Damit drehte er sich um und ging langsam in den Kreis seiner Kameraden zurück.
Da ich keine Zeit hatte, das Päckchen gleich zu öffnen, legte ich es beiseite. Daheim wickelte ich es auf. Ein halbes Kommißbrot und zwei große Birnen kamen zum Vorschein, vielleicht die Tagesration dieses jungen, mir unbekannt gebliebenen Sowjetsoldaten.
Zwei Jahre später holte man mich von meinem Arbeitsplatz. Ich war dazu ausersehen, dem sowjetischen Maler Gorpenko für die trauernde Mutter im Mosaikgewölbe des Treptower Ehrenmals Modell zu stehen.
  Die Bestattung der vier "Helden der Sowjetunion" 1947
(Im Hintergrund der Rohbau zum Postament und die Stahlbetonkostruktion der Krypta unter dem Kurgan)
Eine der Aussagen kann sein, dass der Tod des Kriegers, unabhängig von vordergründigen Gegebenheiten und politischen Wortspielen, ein internationaler ist. Trotz der Gegensätze, vereint im Schicksal des Endes individueller Möglichkeiten zur Gestaltung der Zukunft – dem Tod.
Die Ausführung der Baumaßnahmen

Es erging der Befehl Nr. 139, des Obersten Chefs der Sowjetischen Militäradministration (SMAD) und des Oberkommandierenden der Gruppe der Sowjetischen Besatzungstruppen in Deutschland, Marschall der Sowjetunion W. D. Sokolowski. In diesem Befehl wurde der Bau der sowjetischen Ehrenfriedhöfe in Treptow und der Schönholzer Heide angeordnet. Mit dem Befehl Nr. 166 am 4. Juni 1947 wurden die entsprechenden Entwürfe zur Ausführung bestätigt. 



 Unter der Terasse des Haupteinganges links, die Namen der "Träger des Stalinpreises"
Wutschetitsch und Belopolski

Die Bauleitung des Komplexes oblag der Verwaltung für Verteidigungsbauten der sowjetischen Streitkräfte, die einen „Sonderstab für Gedenkstättenbau“ bildete. Dessen Führung und damit die unmittelbare Bauleitung übernahm der Ingenieur Grigori L. Krawzow, abgelöst im Mai 1948 durch W. G. Dubrowski. Die Autorenkontrolle, also die gestalterische und künstlerische Leitung, lag beim „Schöpferkollektiv“. Als Konsultant für ideologische Fragen wurde der Politoffizier Ivan Paderin eingesetzt, dem sämtliche Texte des Ehrenmals zugeschrieben werden. Die Urheberschaft der Texte ist indessen nicht vollständig geklärt. Belopolski und Wutschetitsch beanspruchten ihrerseits, die Zeilen als Nachdichtungen erfasst zu haben.

Der Architekt Belopolski erinnert sich im Jahre 1950 an den Bau folgendermaßen:

Das Ensemble in Berlin-Treptow entstand in rund zwei Jahren. Die sehr knappen Bautermine und der Umstand, dass der Arbeitsentwurf erst während des laufenden Bauprozesses vollendet wurde, erforderten eine besonders enge und konstruktive Zusammenarbeit zwischen den Künstlern und Bauarbeitern. Sie garantierte, dass viele architektonische, künstlerische und technische Probleme unmittelbar während des Baus operativ gelöst wurden. Jede Forderung, die auf der Erhöhung der Qualität des gesamten Baus sowie der Ausstattung gerichtet war, galt den Bauarbeitern als Richtlinie. Zugleich berücksichtigten die Schöpfer sorgfältig solche Vorschläge der Bauarbeiter, die der Rationalisierung von Produktionsprozessen dienten.

Am Bau waren etwa 1.200 Arbeitskräfte beteiligt, darunter 200 Steinmetze und 90 Bildhauer. Es wurden 30.000 m³ Erde bewegt und 20.000 m³ Beton vergossen. Belopolski schrieb 1950, dass etwa 40.000 m³ Granit verbaut, etwa 10 km Kantenstein verlegt und zehntausende Sträucher und Büsche gepflanzt wurden. Unter sowjetischer Leitung arbeiteten deutsche Firmen am Ehrenmal, wie beispielsweise Philipp Holzmann, Grüner, Bilfinger, Boswau & Knauer, die Vereinigten Werkstätten für Mosaik und Glasmalerei August Wagner, die Baumschule L. Späth sowie die Bildgießerei Seiler. Das Baumaterial wurde unter anderem geliefert durch die Granit- und Syenit-Werke Kumpf & Co. Löbau, das Granitwerk Arnsdorf sowie die Steinbrüche Häslich.

Man kann sich vorstellen, dass es nicht einfach gewesen ist, zumal in diesen damaligen Zeiten, einen solchen Bau in einer so knapp bemessenen Zeit fertigzustellen. Die Arbeitskräfte kamen großteils von den privatwirtschaftlichen Betrieben und durch die Vermittlung der Arbeitsämter. Dementsprechend war auch die Arbeitsmoral einzuschätzen. Die Fluktuation der Arbeitskräfte war in der Anfangszeit enorm hoch. Man bemühte sich von sowjetischer Seite ein System zu schaffen, wo durch materielle Stimulierung, also Sonderrationen in der Nahrungsmittelzuteilung, Anpassung der Entlohnung und andere Hilfestellungen, die Arbeitsmoral gehoben werden sollte. Die Arbeiter erhielten unter anderem das begehrte „Kotikow-Paket“, das nach dem damaligen Stadtkommandanten benannt war und zusätzliche Verpflegung enthielt. Es wurden Betriebsräte gebildet und Einrichtungen zur Kinderbetreuung geschaffen. Alles in Allem wurden, für damalige Verhältnisse, in denen Sonderzuteilungen und Sachprämien einen großen Anreiz darstellten, hervorragende Arbeitsbedingungen geschaffen, um die Loyalität der Arbeitskräfte sicherzustellen.

Zu den verwendeten Materialien werden auch immer wieder Legenden skandiert, nach denen beim sogenannten „Russendenkmal“ im Tiergarten, dem Treptower Ehrenmal und dem in der Schönholzer Eiche Marmor verbaut wurde aus der ehemaligen und vollständig geschliffenen Reichskanzlei. Der Marmor als ganz besonderer Baustoff scheint ein gewisses Potenzial für faszinierende Legenden zu bilden. Der vorherrschende Baustoff der sowjetischen Ehrenmale und Friedhöfe ist allerdings Granit. Es ist durchaus möglich, dass Kalkstein oder Granit der ehemaligen Reichskanzlei an den Ehrenmalen oder Abbruchmaterial derselben in den Fundamenten verbaut wurde, wie fast überall in Berlin möglich. Am Ehrenmal in Treptow gibt es allerdings ein relativ unauffälliges Baudetail, welches den Grundstein für diese Legendenbildung gelegt haben könnte. Der Durchgang in das Mausoleum im Postament des Hauptmonuments hat eine Leibung aus fleckigen rötlichen Platten, die der Reichskanzlei entnommen sein könnten.

Der Naturstein, der zur äußeren Verhüllung aufgewendet wurde, stammte zunächst auch aus halbzerstörten Villen und Amtsgebäuden in Berlin. Im Bezug auf die Reichkanzlei jedoch konnten etwaige damalige Hoffnungen nicht betätigt werden, wie sich der Bauleiter Krawzow im Jahre 1978 im „Sputnik“ (Nr. 6) erinnerte. Das Material, also unversehrte Platten, reichte bei weitem nicht aus. Es wurde allerdings sehr wohl Material verwendet, welches durch die nationalsozialistische Führung in Deutschland Ende der 1930er und Anfang der 1940er Jahre eingelagert wurde, unter anderem in einem Lager in der Nähe von Fürstenberg an der Oder. Durch den Hinweis eines KZ-Häftlings sei man auf dieses Lager gestoßen. Dieses Material, also Granit-Roh- und Werkstein, war ursprünglich bestimmt für größere Bauvorhaben in und um Berlin. Es wurde geordert von führenden Steinbetrieben, unter anderem aus Skandinavien.

So gesehen kann man sagen, dass der Sieg sich auf mehreren Ebenen manifestierte. Die Materialien, die dem nun bedingungslos Unterlegenen zur Manifestation der eigenen Größe dienen sollten, dienten nun der Inszenierung der Siegermacht.

Der Granit wurde in Werken vorgefertigt beziehungsweise großteils direkt auf dem Baugelände bearbeitet, in speziell eingerichteten Werkstätten. Belopolski schreibt dazu:

Unmittelbar auf dem Baugelände befanden sich Werkstätten für die Bearbeitung des Granits. Hier wurden Detailarbeiten für das Hauptmonument, die Sarkophage, die Bänke, die Sockel der Umzäunung und anderes ausgeführt. Zugleich passte man hier die aus dem Werk kommenden Blöcke an oder ersetzte solche, die aus irgendwelchen Gründen den Anforderungen nicht voll entsprachen. Das Ausmaß des Baugeländes gestattete es, viele Arbeitsprozesse gleichzeitig voranzutreiben.

Der Gütertransport, von Baumaterialien und Gerät, war gut organisiert. Dem kam die nahe gelegene Eisenbahnlinie entgegen, an welcher ein Entladeplatz eingerichtet wurde. Eine Schmalspurbahn transportierte die Güter dann direkt zum Bauplatz.




Beim Bau, im Hintergrund der Kran am Haupteingang
und die Hütten um die "Sarkophage"

Auf dem Baugelände waren zwei Krane im Einsatz. Einer am Haupteingang, mit dessen Hilfe die Terrasse und die Fahnenpylonen errichtet wurden. Der andere am Hauptmonument, mit dessen Hilfe die allgemeinen Arbeiten für das Hauptmonument und bei der Montage der 13 Meter hohen Bronzestatue sowie auch die Bau- und Granitarbeiten an der Terrasse hinter dem Hauptmonument ausgeführt wurden. Am Hauptmonument kam ein sogenannter Derrick zum Einsatz, also ein speziell abgespannter und sehr hoher Kran, zum Heben von schweren Lasten in große Höhen. 
 

Damit der Wasserabfluss von allen Punkten des terrassenförmig angelegten Komplexes sichergestellt werden konnte, wurde ein spezielles Entwässerungssystem angelegt, mit einer Pumpstation.

Nach den Erinnerungen Belopolskis gestaltete sich die Errichtung des Hauptmonuments und des Haupteinganges, mit den mächtigen Fahnenpylonen, am schwierigsten. Verschiedene Probleme stellten sich den Erbauern hier. Beispielsweise musste vor der Betonierung des durchgehenden Stahlbetonfundaments unter dem Hauptmonument, wegen des hohen Grundwasserstandes, das gesamte Wasser abgepumpt werden. 


Schachtarbeiten für das Hauptmonument
 

Unter allen Bauten und Bordsteinen des Ensembles befindet sich ein spezielles Fundament. Unter den Fahnenpylonen befindet sich, wie beim Hauptmonument, ein durchgehendes Stahlbetonfundament. Die Terrassen des Haupteingangs und die Fahnenpylonen sind mit Granit verkleidete Stahlbetonkonstruktionen, bei welchen die Zwischenräume mit Erde aufgeschüttet wurden, sofern sie nicht als Diensträume oder Gerätekammern vorgesehen waren. Die Granitplatten wurden auf einer Betonunterlage verlegt, die auf vorher verdichtetem und abgezogenem Untergrund errichtet wurde.

Als die Fundamente und Stahlbetonelemente fertiggestellt waren begann man mit den Arbeiten am Granit. Dabei bereiteten die Verkleidungen der Fahnenpylonen einige Probleme, Belopolski dazu:

Die Montage der Fahnenverkleidung bereitete insofern einige Schwierigkeiten, als die Blöcke der Falten in jeder vertikalen Bahn verschiedene Maße hatten; somit verlangte diese Arbeit eine besondere Meisterschaft. Deshalb wurden die Granitblöcke jeder Bahn noch im Werk vor dem Abtransport mit der darüber befindlichen montiert und die Anschlussstellen sorgfältig überprüft. Erst nach dieser Anpassung schickte man die Blöcke der jeweils darunter liegenden Bahn auf den Bauplatz.

Ähnlich ging man auch bei der Verkleidung des Stahlbetonkerns vom Hauptmonument vor. Dieses ist so konstruiert, dass das Gewicht der Bronzestatue auf den Kern übertragen wird, dessen Fundament die Krypta aus Stahlbeton bildet, die unter dem Kurgan angelegt wurde.

Die künstlerische Feinabstimmung wurde während der Baumaßnahmen vorgenommen. Für die Präzisierung einzelner Formen und Größen der architektonischen und bildhauerischen Elemente wurden Gipsmodelle angefertigt. Für die exakte Bestimmung von Formen und Maßen der einzelnen Elemente des gesamten Ensembles sowie seiner einzelnen Anlagen, mussten vielfach Modelle in natürlicher Größe gefertigt werden, zuweilen aus dem dafür vorgesehenen Material. Der Architekt Belopolski schreibt dazu:

Für die richtige Verbindung von Architektur und Skulptur des Hauptmonuments, für die Ermittlung der Masse und der Proportionen des Sockels und der Silhouette der Statue wurde beispielsweise ein Modell des Postaments im Verhältnis 1:5 der natürlichen Größe gefertigt. Auf diesem Postament wurde ein Modell der Skulptur im gleichen Maßstab aufgebaut. Mit Hilfe dieses Modells konnte man die Neigung der Skulptur, die Linie ihrer Vorderansicht genau bestimmen und richtig zentrieren, wie auch die Maße und die Form des Piedestals im voraus korrigieren. Um die Zeichnung des Mosaikpflasters festzulegen sowie zur Präzisierung der Größe des Lorbeerblattes, seiner perspektivischen Verkürzung und der Farbabstufung wurde ein Mosaikfragment in natürlicher Größe aus weißen und roten Steinen ausgelegt.[...]

In natürlicher Größe wurde auch ein Modell des Mausoleums hergestellt. An den Wänden befestigte man Karton mit der Zeichnung des künftigen Mosaiks. Während der Arbeit am Modell konnten Fragen des Maßstabes und der Komposition des Mosaiks, der Beleuchtung des Raumes usw. geklärt werden.
Die bei der Arbeit am Ehrenmal gewonnene Erfahrung zeigte, dass eine solche Arbeit mit Modellen überaus nützlich und für einige architektonische und bildhauerische Arbeiten völlig unumgänglich war.

Während die Bauarbeiten recht zügig voranschritten, modellierten deutsche Bildhauer nach Entwürfen und unter der unmittelbaren Leitung Wutschetitschs die vorgesehenen Figuren in Originalgröße. Einige Räume und das Hofgelände der Kaserne Am Treptower Park standen für den Bau des Ehrenmals zur Verfügung. Im Kasernengebäude befanden sich Verwaltungs- und Unterkunftsräume. Alle graphischen Arbeiten, auch die für das Ehrenmal in der Schönholzer Heide, wurden im Hauptgebäude der Kaserne in Treptow ausgeführt. In den auf dem Hofgelände errichteten Hallen und Arbeitsschuppen entstanden die Entwürfe für alle plastischen Elemente des Ehrenmals. Für jede Steinsorte wurde ein besonderer Arbeitsraum eingerichtet. In einer Ecke der Kaserne, an der Elsenstraße, war ein turmartiges Gebäude errichtet worden. Die Hauptfigur, der „Befreierkrieger“, wurde hier in seiner vollen Größe modelliert, nach einem 1,20 m Modell. Auch die beiden vor den Fahnen knienden Soldaten entstanden in diesem Raum zunächst in Ton. Mehrere Bildhauer aus Berlin und von außerhalb waren mit diesen Arbeiten befasst. Der Künstler Wutschetitsch, hatte stets ein wachsames Auge auf die Umsetzung seiner Idee. Die Staue der „Mutter Heimat“ wurde ebenfalls in Ton zur Originalgröße geformt.

Für die zahlreichen Reliefs der Sarkophage waren zuerst gut ausgearbeitete kleinere Skizzen in einer Größe von etwa 50 bis 60 cm angefertigt worden. Als dann die Reliefs in einem geräumigen Gebäude auf dem Hofgelände an großen Holztafeln in natürlicher Größe von 4,20 x 2,50 m angelegt und ausmodelliert wurden, dienten die kleinen Reliefskizzen als verbindliche Vorlage. Nachdem notwendige Korrekturen vorgenommen wurden, gossen Gipsformer sämtliche Tonarbeiten und weitere dekorative Ornamente in Gips. 





Skizzen und die Arbeit an den "Sarkophagen"

Etwa im Herbst 1948 waren die „Sarkophage“ fertig versetzt. Im Winter mussten die Reliefs in Stein umgesetzt werden. Die damit verbundenen Probleme löste man, indem man um jedes einzelne Objekt eine helle und geräumige Hütte errichtete. Die Gipsmodelle, die aus Platzgründen geteilt wurden, fanden ihren Platz jeweils an den Stirnseiten, wo die günstigsten Lichtverhältnisse herrschten. An allen Sarkophagen kamen gemischte Arbeitskollektive von Steinmetzen und Bildhauern zum Einsatz. Im Frühjahr 1949 wurden die Hütten wieder abgerissen. Was das volle Tageslicht dann an Mängeln aufzeigte, wurde nachgebessert.

Die Skulptur der „Mutter Heimat“ wurde aus einem einzelnen Block gehauen. Nur musste ein solcher Granitblock zunächst einmal beschafft werden. Der Steinblock sollte in seiner Qualität und seinen Abmessungen den Vorstellungen entsprechen, die sich der Künstler Wutschetitsch von der künftigen Statue gemacht hatte. Man fand auf der Suche das Granitwerk Arnsdorf in den Königshainer Bergen. Mit dem Anliegen, einen 50 Tonnen schweren Granitblock für die vorgesehene Skulptur zu brechen, stieß man dort auf Skepsis, da zu der Zeit der Betrieb des Arnsdorfer Steinbruchs ruhte. Eines Tages rückte sowjetisches Militär an, mit schwerem technischen Gerät, während andere bereits auf der vorgesehenen Fahrtroute nach Berlin beschädigte Brücken herrichteten und zusätzlich abstützten. Auf einem Spezialfahrzeug traf der gewaltige Block im Jahre 1948 in Berlin-Treptow ein und wurde mit Kranen auf eine vorbereitete Stelle abgesetzt, unmittelbar neben dem heutigen Standort der ,,Mutter Heimat".

Im Herbst 1947 hatte Wutschetitsch ein etwa achtzig Zentimeter großes Modell der Hauptfigur fertiggestellt. Die auf einem Sockel stehende Skulptur trägt in russischer Sprache die Unterschrift:

Befreierkrieger. Bildhauer W. Wutschetitsch 1946.

Von dieser Urfassung musste nun zunächst eine Zwischengröße hergestellt werden, die ein Fünftel der Originalgestalt ausmachte. Hiervon sind verschiedene Güsse vorhanden, einer davon als Denkmal in Berlin-Karlshorst.

Für die Skulptur des „Befreierkriegers“ stand der sowjetische Fallschirmjäger Iwan S. Odartschenko aus Tambow ein halbes Jahr Modell. Er ist auch auf dem Wandbild im Gedenkraum zwei mal zu sehen, einmal als Soldat und einmal als Arbeiter. Odartschenko stand in seiner Heimatstadt noch für ein weiteres Veteranendenkmal Modell und verstarb im Jahre 2013 im Alter von 83 Jahren. Für das Kind auf dem Arm des „Befreierkriegers“ war Swetlana Kotikowa die Vorlage. Sie war Tochter des Kommandanten des sowjetischen Sektors von Berlin Generalmajor Kotikow und wurde später als Schauspielerin bekannt.


Iwan Stepanowitsch Odartschenko




Bei der Modellierung des Hauptmonuments wurde zunächst aus etwa 20 Kubikmetern Holz ein mächtiges stabiles Gerüst, von Zimmerleuten unter Anleitung der Bildhauer errichtet. Innerhalb der nächsten Wochen wurden von Kunststudenten ca. 40 Tonnen Ton angeworfen. Dann wurde darum herum ein Holzgerüst gebaut, welches über mehrere Etagen verfügte. Während der Ton ständig feucht und formbar gehalten wurde, modellierten die Bildhauer arbeitsteilig die verschiedenen Einzelheiten, wobei die Arbeitsaufteilung auch gemäß besonderer Neigungen und Begabungen der Bildhauer vorgenommen wurde.

Als die Bildhauer ihre Arbeit beendet hatten erstellten Kunstformer, mit etwa 20 Tonnen Gips, ein Gipsmodell, welches im Dezember 1948 fertiggestellt wurde. Eine deutsche Bronzegießerei sah sich außerstande, die Gussarbeiten in der vorgesehenen Zeit fertigzustellen. Deshalb entschloss man sich kurzfristig die Arbeiten in der Sowjetunion durchführen zu lassen. Die Gipsplastik, die im bereits erwähnten eigens dafür gebauten provisorischen Atelier, in der Kaserne am Treptower Park, auf einer speziellen Drehscheibe stand, wurde in mehrere Ringe zerlegt und per Tieflader zum Güterbahnhof transportiert, etwa am 23. oder 24. Dezember des Jahres 1948. Die Gießerei im damaligen Leningrad arbeitete hart und stellte, entgegen der Prognosen, die von einem halben Jahr ausgingen, die Gussarbeiten in 7 Wochen fertig. Am 10. April 1949 trafen die fertigen, in Bronze gegossenen und ziselierten Ringe in Berlin ein und mit ihnen auch mehrere Spezialisten des Leningrader Betriebes.

Auch um das Mausoleum wurde, wie bei den „Sarkophagen, eine Bauhütte errichtet. Durch eine in der Decke dieser Hütte belassene Öffnung wurden die Quader und der Beton mit einem Kran hineingehoben. Auf Loren, die auf Gleisen innerhalb dieser Hütte rings um das Mausoleum liefen, wurde das jeweilige Material an seinen Bestimmungsort befördert. Nachdem die Arbeiten am Mausoleum beendet waren und im Innern das Mosaik angebracht wurde, wurde ein 22 Tonnen schwerer Sockelring, auf dem die Hauptfigur des „Befreierkriegers“ stehen sollte aufgesetzt.

Das Mosaik im Mausoleum entstand, gemäß der Erinnerungen von Belopolski, folgendermaßen:

Die farbige Vorlage des Mosaiks (in natürlicher Größe) wurde fotografiert. Das Foto zerlegte man in einzelne Teile und numerierte sie. Danach wurden - entsprechend dem farbigen Original - Mosaiksteinchen auf das Foto gelegt. Auf das fertige Fragment klebte man dünnes Papier. In dieser Form trafen die Mosaikblätter auf der Baustelle ein. Vor dem Anbringen des Mosaiks wurden die Wände sorgflältig vorbereitet: Auf die einzelnen Flächen kam zunächst eine Schicht Zementmörtel, auf die die Blätter mit dem Mosaik aufgelegt wurden. Der Mörtel füllte die Fugen zwischen den Steinchen aus und verband sich fest mit dem Mosaik. Nach dem Aushärten des Mörtels wurde die Papierschicht, mit der das Mosaik beklebt war, sorgfältig mit Wasser abgewaschen, und die Ansichtsseite des Mosaiks trat deutlich hervor. Einige Mängel konnten gleich korrigiert werden. Dieses Verfahren, eine Abart des direkten Setzens, ist sehr zweckmäßig; es ermöglicht dem Künstler, das Setzen entsprechend seinem Entwurf zu lenken. Außerdem können alle Arbeiten zur Herstellung der Mosaikfläche im Werk ausgeführt werden. Das ist ein großer Vorzug gegenüber dem oft praktizierten umgekehrten Setzen, bei dem der Schöpfer faktisch auf gut Glück arbeitet; denn er muss im Werk das Mosaik mit der Rückseite der Steine zusammensetzen und empfindet so nicht die ganze Kraft der Farbe und der Tönung des benutzten Materials.



Am Karfreitag, dem 15.April, begann die Montage der Hauptfigur, die am Ostermontag, dem 18. April, abgeschlossen wurde. Aufgrund des Gutachtens eines Statikers mussten acht weitere Stahltrossen zur Sicherung des Standmastes gespannt werden. Die 48 t schwere Figur des „Befreierkriegers“ setzt sich aus 6 Teilen zusammen: Sockelring, Fußteil, Knieteil, Mittelteil, Brustteil mit Kinderkopf, Kopf des Soldaten. Die Montage des Kopfes gestaltete sich schwierig, da der Ausleger des „Derricks“ nicht reichte und dieser durch einen 6 Meter längeren ersetzt werden musste. Nachdem die Teile aufeinandergesetzt waren, wurden sie von innen miteinander verankert. Für diese Arbeiten war im Guß eine verschließbare Einstiegsklappe belassen worden. Die Gußnähte wurden mit Blei verdämmt und künstlich patiniert. Als man endlich fertig war, nivellierte man die Figur von der „Mutter Heimat“ aus und stellte fest, dass der „Befreierkrieger“ etwas zu sehr nach rechts blickte. Daher demontierte man die Figur wieder und wiederholte das Prozedere. Was dann immer noch unstimmig war, konnte schließlich hydraulisch so gedreht werden bis der Stand stimmte. 



Die Teile des Hauptmonuments werden mit einem sogenannten "Derrick" montiert
 
Die Einweihung
Bei der Einweihung des Vorläufers im Berliner Tiergarten waren noch Ehrenformationen der westlichen Alliierten zur Ehrenbezeugung aufmarschiert. Die Einweihung des Treptower Ehrenmals stand dagegen bereits unter dem Zeichen beginnender Konfrontation.
Man hatte, wie erwähnt, einige Mühen aufzuwenden, um das Ehrenmal pünktlich zum Jahrestag des Sieges fertigzustellen. Im Frühjahr 1949 fielen sodann die letzten Gerüste und die gesamte Anlage wurde gründlich in Augenschein genommen. Die kleineren Mängel wurden in kurzer Zeit beseitigt. Dann erfolgte die Generalabnahme durch eine Kommission, der unter anderem mehrere leitende Vertreter der SMAD angehörten.
Am 8. Mai 1949, dem vierten Jahrestag des Sieges, fand die feierliche Einweihung statt. Bei der Feier waren mehrere sowjetische Delegationen zugegen, unter ihnen Abordnungen der SMAD, der Kommandanturen, die leitenden künstlerischen und technischen Kollektive sowie eine große Anzahl sowjetischer Soldaten, Offiziere und Generale, mit ihren Familien. Von der deutschen Seite waren zugegen Vertreter des Zentralsekretariats der SED, Mitglieder des Landesvorstandes der SED von Groß-Berlin, eine Abordnung der FDJ, Vertreter der Deutschen Wirtschaftskommission, eine Delegation des Magistrats von Berlin sowie Abordnungen der Deutschen Verwaltung des Innern und der Volkspolizei Berlin.
Zu Beginn der Feier nahmen alle Anwesenden den großen Platz zwischen der Skulptur der „Mutter Heimat“ und den Fahnenpylonen ein. Die Gefallenen wurden schweigend geehrt, während eine sowjetische Kapelle den Trauermarsch von Chopin spielte. 
Auf der Einweihungsfeier
 
Der sowjetische Stadtkommandant Generalmajor A.G. Kotikow ergriff dann als erster das Wort. Er führte unter anderem aus, dass man an diesem Tage „an den uns teuren Gräbern“ der Gefallenen gedenkt, die im Kampf „für das Glück der Werktätigen in der ganzen Welt“ ihr Leben ließen. Er strich auch die „tödliche Bedrohung“ heraus, die der „treubrüchige Überfall des faschistischen Deutschlands“ auf die Sowjetunion „den ersten sozialistischen Staat der Welt“, für das Leben des sowjetischen Volkes und die gesamte Menschheit darstellte. Des weiteren führte er aus, dass „die Gefahr“ der „Versklavung friedliebender Völker“ nur beseitigt werden und der Sieg errungen werden konnte, „weil bei der Zerschmetterung Hitlerdeutschlands und des imperialistischen Japans die entscheidende Rolle das heroische Sowjetvolk spielte, das für den Sieg Blut und Leben, Freude und Glück seiner besten besten Söhne und Töchter hingegeben hat“. Außerdem wies er in seinem Redebeitrag darauf hin, dass Jahrhunderte vergehen werden, aber „die großen Schlachten der sowjetischen Armee […] werden niemals aus dem Gedächtnis der Völker schwinden“, denn das an diesem Tage „im Zentrum Europas in Berlin eingeweihte Denkmal wird die Völker daran erinnern, wann, durch wen und um welchen Preis der Sieg errungen [...]“ wurde. Dabei wies er auch auf die führende Rolle der Sowjetunion hin, beim Kampf der Völker der Welt, für den Sozialismus und gegen die „finsteren Kräfte der imperialistischen Reaktion und der Brandstifter eines neuen Krieges.“ Weitere Redebeiträge von sowjetischer Seite kamen von den Helden der Sowjetunion Hauptmann Woronin und Starschisergeant Babuschkin sowie dem Vertreter der SMAD Ussanow. 
 Generalmajor A.G. Kotokow während seiner Rede zur Einweihung


Hauptmann Woronin (links) und Starschisergeant Babuschkin (rechts) während ihrer Reden zur Einweihung
 
Auf der deutschen Seite ergriff Otto Grotewohl das Wort. Er sprach der Sowjetarmee - „die uns von der Geißel der Menschheit, dem Faschismus, befreit hat“ seinen Dank aus, für ihre Taten. „Wir neigen uns in Ehrfurcht vor den Gefallenen der Sowjetarmee, die für diesen Kampf ihr Leben ließen.“ Außerdem führte er aus, dass das Gelöbnis von Millionen Proletariern in dieser Stunde lautet, „für Demokratie, Frieden und Sozialismus zu kämpfen“ und die deutschen Antifaschisten im Kampf gegen Faschismus sowie das enge Zusammenleben mit der Sowjetunion niemals erlahmen werden.
 Otto Grotewohl während seiner Rede zur Einweihung
Nach den Ansprachen und dem Abspielen der Hymne der Sowjetunion begaben sich die Abordnungen auf den Weg, auf dem die „ Trauerakkorde, die den Besucher empfangen, immer stärker anschwellen und sich zu einer Hymne vom Triumph des Lebens steigern.“ (Wutschetitsch) Es wurden Kränze niedergelegt und der Toten gedacht, wie der Sache, für die sie ihr Leben ließen.
 Kranzniederlegung
Der langfristige Erhalt und Maßnahmen dafür
Am 2. September 1949 übertrug die sowjetische Militärkommandantur dem Magistrat von Groß-Berlin die Pflege und Unterhaltung des Ehrenmals. Der Magistrat erhielt sechs Mappen mit Werkstattzeichnungen der Baukonstruktionen, mit Zeichnungen über deren Verkleidungen sowie mit Architektenzeichnungen, um eine sachgerechte Kontrolle der Erhaltungsmaßnahmen gewährleisten zu können. Das Übergabeprotokoll enthält im Anhang in 15 Punkten zusammengefasste Richtlinien zur Unterhaltung der Anlage.
Außerdem wurde das schon erwähnte Ehrenbuch übergeben, das zunächst im Mausoleum aufbewahrt wurde. Es enthält Namen von hier bestatteten sowjetischen Soldaten und Offizieren - „für Nachforschungen, die vielleicht in Zukunft erforderlich sein könnten", heißt es im Übergabeprotokoll. Dieser unbedeutend erscheinende Nebensatz im Übergabeprotokoll, ist schon merkwürdig augurenhaft.
Somit oblag dem Bezirksamt Treptow die Pflege des Ehrenmals. Aus einer Aktennotiz des Denkmalpflegers Janus, vom 14. Juni 1951, geht beispielsweise hervor, dass notwendige Reparaturen von Witterungsschäden eingeleitet wurden und nach dem Einverständnis dafür durch die sowjetischen Dienststellen ersucht wurde. Man erhielt bei der sowjetischen Kontrollkommission die Antwort, dass die Unterhaltung und Pflege deutschen Stellen übertragen wurde, welche somit befugt sind alle notwendigen Maßnahmen durchzuführen, die sie verantworten können. Dabei wurde die Frage gestellt: „Wen wollen Sie fragen, wenn wir nicht mehr in Berlin sind?“ Diese nahezu prophetisch klingenden Ausführungen endeten mit den Worten: „Tun Sie so, als wenn wir nicht mehr hier wären, aber schützen Sie bitte das Ehrenmal gut.“
In der Zeit von 1968 bis 1974 erfolgte eine umfassende Rekonstruktion der baulichen Anlagen in Treptow, die durch die Einbeziehung des Architekten Belopolski im Sinne der ursprünglichen Konzeption vorgenommen wurde. Der heutige Zustand entspricht demzufolge weitgehend dem Urzustand. Das Mausoleum wurde mit neuen Kalksteinplatten verkleidet, während im Inneren eine gründliche Überholung des tragenden Stahlgerüstes vorgenommen wurde. Sämtliche Bauten erhielten im Bereich stark gegliederter Oberflächen und der Kanten mit großem Versatz Abdeckungen aus Kupfer- und Zinkblech. Bei der Wiederherstellung der „Sarkophage“ wurde eine neue Technologie angewandt: Die Baukörper wurden ausgehöhlt und mit Lüftungsspalten versehen. Während früher Frost und Wasser den mit Zement verfüllten Kalkstein schädigten, können die Quader nun immer wieder austrocknen. Die neu verlegten Gehwegplatten wurden gegen Bodenfeuchte isoliert, ebenso das renovierte Mosaikpflaster um die Rasenquadrate im Zentrum der Anlage.
In den folgenden Jahren sorgten der Magistrat der Hauptstadt der DDR, das Stadtgartenamt als Rechtsträger sowie gesellschaftliche Organisationen und Betriebe für die Pflege und Unterhaltung der Anlage.
Auch nach dem Ende der DDR wird das Ehrenmal von der Stadt Berlin gepflegt. Ebenso wurde im Oktober 2003 der „Befreierkrieger“ in einer Werkstatt auf Rügen restauriert, mit einem Schiff nach Berlin zurückgebracht und am 4. Mai 2004 wieder an seinem Platz errichtet.
Die sowjetischen Ehrenmale in Berlin sind für die Deutschen ein schwieriges Erbe ihrer eigenen Geschichte, aber sie gehören längst zum Denkmalbestand Berlins. Grundlage für den langfristigen Erhalt ist neben dem Berliner Denkmalschutzgesetz vom 7. Mai 1995, das Gesetz über die Erhaltung der Gräber der Opfer von Krieg und Gewaltherrschaft von 1965 und der Deutsch-Sowjetische Nachbarschaftsvertrag vom 9. November 1990 sowie das Abkommen vom 16. Dezember 1992 zwischen der Regierung der Bundesrepublik Deutschland und der Regierung der Russischen Föderation über Kriegsgräberfürsorge.
Das Ehrenmal als Ort von Massenaufmärschen
Immer wieder wurde das Ehrenmal ein Ort des Aufmarsches in Form von Massenkundgebungen. Nicht nur zu DDR-Zeiten kamen zu bestimmten Anlässen massenhaft Menschen am Ehrenmal zusammen. Großzügige Maße von Verkehrsflächen, die Schaffung von bühnenartigen Situationen oder schließlich die Planung von bühnentechnischen Voraussetzungen, lassen auf die Einbeziehung des Ablaufs von Massenzeremonien schon im Entwurf schließen. Beim „Ehrenmal“ in Treptow wird bereits auf den Sammelplätzen deutlich, dass sie nicht nur der emotionalen Kontemplation vor Eintritt in das Ehrenmal dienen, sondern darüber hinaus zur tatsächlichen Sammlung von Menschen. Alle Wegeflächen besitzen Abmessungen, die deutlich über die Ansprüche gelegentlicher Besucher hinausgehen. Die Terrassenanlage wie die Treppe zum Mausoleum waren bei Großveranstaltungen als Rednertribünen nutzbar, während sich das Publikum im großzügigen Randbereich des Parterres versammeln konnte. Ein weiterer deutlicher Hinweis darauf, dass Massenzeremonien bereits in den Entwurf eingeflossen sind, besteht in der Anlage des Amphitheaters im Hintergrund der Hauptfigur.
 Sowjetische Gardesoldaten Ende der '60er Jahre
Ein besonderes Ereignis stellte im Jahre 1985 der 40. Jahrestag des Sieges dar, der mit einem Aufmarsch von 50.000 Mitgliedern der FDJ und Pionierorganisation „Ersnt Thälmann“, flankiert von Mitgliedern der Partei- und Staatsführung der DDR, einer Regierungsdelegation aus der Sowjetunion, Veteranen des Krieges sowie einer Delegation des Komsomol, in einem „Schwur der Jugend der DDR“ mündete. Durch ein Spalier von Fackeln und roten Bannern zog man unter den Klängen von „Священная война“ in die Anlage ein. Nachdem das Glockenspiel des Kreml verstummt war trat der Kriegsveteran Michail Werschinin an das Mikrofon und bekräftigte seine innere Bewegung darüber, mit jungen Berlinern am Hauptmonument der gefallenen sowjetischen Soldaten zu stehen und der „Befreierkrieger“ - „...steht auch jetzt mit uns in einer Front.“ Er sei für alle Menschen guten Willens ein „Symbol der Gerechtigkeit unserer Sache, zum Symbol des Friedens und der friedlichen Aufbauarbeit geworden.
 Fackelaufzug am 40. Jahrestag des Sieges
Священная война“
 "Schwur der Jugend"
In der Zeit der politischen Wende in der DDR wurden am 28. Dezember 1989 die Steinsarkophage und der Sockel der Krypta mit antisowjetischen Parolen beschmiert. Die SED-PDS veranstaltete daraufhin am 3. Januar 1990 eine Massendemonstration, an der sich 250.000 Bürger der DDR beteiligten, damit knüpfte man an den weiterhin als positiv empfundenen Antifaschismus an.
Als im Jahre 1994 die russischen Truppen aus Deutschland abgezogen wurden, fand das militärische Zeremoniell dazu am Ehrenmal in Treptow statt. Nach einem Festakt im Schauspielhaus am Gendarmenmarkt waren am 31. August 1994 russische und deutsche Soldaten zum gemeinsamen Totengedenken angetreten. Dabei gab es kurze Ansprachen und Kranzniederlegungen durch Bundeskanzler Helmut Kohl und Präsident Boris Jelzin.
 Bundeskanzler Helmut Kohl und Russlands Präsident Boris Jelzin nehmen am 31. August 1994 in Berlin-Treptow die Abschiedsparade russischer und deutscher Truppen ab. (Foto: Barbara Klemm 1994)
Seit dem Jahr 1995 findet alljährlich am 9.Mai eine Gedenkkundgebung am Ehrenmal mit Blumen- und Kranzniederlegungen statt. Am 9. Mai 2015 besuchten mehrere tausend Menschen das Ehrenmal, um dem 70. Jahrestag des Kriegsendes zu gedenken.
 70. Jahrestag des Sieges 9. Mai 2015
(Foto: Kleiner Eisbär 2015)
Abschließendes
In den Ländern der ehemaligen Sowjetunion ist die Aussage des Ensembles – als sowjetisches Ehrenmal – immer noch lebendig: Der Sieg über die „faschistische Barbarei“ zur Befreiung der Völker, die von ihr be- und überfallen wurden. Man empfindet den „Befreierkrieger“ als einen Bruder, der in fremden Gefilden auf Wache steht, zusammen mit seinen gefallenen Kameraden, die in fremder Erde ruhen. Er stellt ein Zeichen dafür dar, was passiert, wenn eine fremde Macht es wagt das Schwert gegen seine Heimat zu erheben – „Denn wer das Schwert nimmt, soll durch das Schwert umkommen.“ (Matt. 26:52)
Eine pseudoreligiöse, oder besser parareligiöse, Verwendung sakraler Leitmotive, wie der Totenmesse – dem „Requiem“, erscheint angesichts des ideologischen Anspruchs der Sowjetunion zunächst befremdlich, ist jedoch keineswegs ein Einzelfall. Es lassen sich so am Ehrenmal in Treptow einige Gestaltungsmittel finden, die eine enge Bindung an religiöse Bildsprache durchklingen lassen. So erinnert beispielsweise der feierlich beleuchete Raum des Mausloleums mit seinem Farbspiel an die Atmosphäre einer Kirche. Das Totengedenken wandelt sich hier in ein rituelles Programm. In den Vordergrund des liturgischen Ablaufs tritt die individuelle Prozession des Besuchers – begleitet von den „Trauerakkorden“, die „immer stärker zu einer gewaltigen Hymne anwachsen, die vom Triumph des Lebens kündet“. Der „Erlebnisweg“ bestimmte auch die Massenveranstaltungen erheblich. Die Triumphbögen markieren den Eintritt in den äußeren, die Pylone, ganz nach ihrer Bedeutung im Altertum, den Eintritt in den inneren Weihebezirk. Der Durchschreitende betritt jeweils eine andere, vom Alltagsleben distanzierte Welt. Besondere Bedeutung wurde in diesem Zusammenhang der Gestaltung der Wege beigemessen. Der Weg verläuft im ersten Teil eben, er erfährt durch den Anstieg im zweiten Komplex eine vorbereitende Dramatisierung – birgt die Aufforderung zur Prozession, der siegreichen Hauptfigur entgegen. Die Statue des „Befreierkriegers“, nicht zufällig in südöstlicher Richtung platziert, setzt sich als dunkle Silhouette vor dem Hintergrund des Himmels ab.
Mehr als über den Anlass ihrer Entstehung geben die Ehrenmale und Friedhöfe von den gesellschaftlichen Verhältnissen Auskunft, die ihren Bau bewirkt und beeinflusst haben. In der Dialektik der Zeit, in welcher das Ehrenmal in Treptow errichtet wurde und in welcher die Konfrontation zwischen zwei sich gegenüberstehenden Systemen – hochgerüsteten Militärblöcken – bereits offensichtlich wurde, war der „Kampf für den Frieden“ mehr als nur eine hohle Phrase, die sich zu widersprechen – ja gegenseitig aufzuheben – scheint. Denn wie Rousseau ausführt, betritt man schon mit der Geburt die Arena und verlässt sie erst im Tode. Wenn Frieden hingegen als Abwesenheit institutionalisierter Schlachterei verstanden werden kann, ist dies ein Kampf den die Menschen noch lange werden führen müssen. Denn zu schnell vergessen die Menschen, wie Kriege entstehen sowie die Qualen und das Leid den Kriege über sie bringen – trotz oder gerade wegen der institutionell-religionshaften Inszenierung des Gedenkens. Zu bequem scheint es, den persönlichen Kampf in der Arena des Lebens, vor allem auf geistiger Ebene, ruhen zu lassen und sich treibend führen zu lassen, um im Widerstreit von Interessen, die mit den eigentlich eigenen nichts zu tun haben, zwischen die Mühlsteine zu geraten. Zu stark sind die Interessen der Interessierten und zu schwach ist der Wille des Einzelnen nach Autonomie und individueller Souveränität, so dass er sich, sehnend nach der inneren Sicherheit, die eine ebenso gefährliche Illusion ist wie der Heldentod, verführt führen lässt. Und wieder ziehen die Wolken auf und werfen zukünftige Ereignisse dunkle Schatten voraus... Wie wird wohl das nächste „Mal“ aussehen? 
Literatur
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Belopolski, J.B.: Памятник воинам Советской Армии павшим в боях с фашизмом: сооружен в Берлине. Moskau 1950.
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Koselleck, R. / Jeismann, M.: Der Politische Totenkult. Kriegerdenkmäler der Moderne. München 1994.
Krawzow, G.: Noch ein Geheimnis des „Dritten Reiches“. In: Sputnik 6/1978.
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Le Tissier, T.: The battle of Berlin 1945. London 1988.
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Solowjew, B. / Suchodejew, W.: Полководец Сталин. Moskau 2003.
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Voss, K.: Die Parks der Berliner. Berlin 2006.
Wutschetitsch, J.W.: Памятник геройам войнам In: Художник и жизнь. Moskau 1963.

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